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Who is Who in der VBA

Als ich nach der Gründung unseres Clubs Vorsitzender der VBA wurde und feststellte, dass viele, ja wohl fast alle, ihrem ehemaligen Hobby treu geblieben sind bzw. ihm immer noch gedenken und somit auch ein entsprechendes Auto aus der alten Zeit besitzen, kam ich mir so vor wie ein passives Mitglied von meinem Tennisclub. Passiv heißt halt, nicht aktiv auf dem Platz zu stehen, also nur zuschauen.

Das wollte ich natürlich nicht. Zuhause aber kam dieser Gedanke, mich noch nebenbei aus Spaß weiter zu motorisieren, gar nicht gut an. Das gemeinsame Konto mit dem Erwerb eines „Spaßautos“ nebenher zu belasten, wurde strikt verneint. Da schon ab 2006 in Rente, konnte ich argumentativ nicht viel Überzeugendes entgegensetzen, also musste ich andere Wege gehen.

 

Da ich selbst nie der große Schrauber war und auch heute noch nicht bin, ging der Weg nur über meinen Freund Klaus Riemer, der ja zu dieser Zeit noch die eigene Werkstatt mit den entsprechenden Mechanikern, den nötigen englischen Werkzeugen und dem einen oder anderen Ersatzteil am Lager hatte. Somit war schnell klar, dass nur ein „Engländer“ in Frage kam.

Einer, der nicht zuviel Platz im Carport wegnimmt, der alltagstauglich und im Unterhalt nicht so teuer ist.

So wurde die Idee vom Mini geboren und wenn, dann musste es ein Cooper sein.

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Zu erwähnen ist, dass ich bereits einen Mini in der Zeit der Ölkrise hatte (so um 1972?), dem damals ein 2002 ti BMW zum Opfer fiel – einfach um den Unterhalt günstiger zu gestalten, also ein 1000ender, mit glaube ich, 48 PS.

Weil der nach einer Weile aber doch zu langweilig war, die Zeiten mit den eingeschränkten Fahrzeiten (Fahrverbote von geraden oder ungeraden Kennzeichen an den Sonntagen) langsam wieder abgeschafft wurden, kam dann über einen Kumpel plötzlich ein 1000ender echter Cooper, von Wooding getunt, ins Haus – einfach so. Ein Wahnsinnsgerät, was soviel Dampf hatte, dass er natürlich für den Alltagsgebrauch letztlich nicht zu gebrauchen war und wieder abgeschafft wurde.

Also mit Hilfe und Unterstützung von Klaus reifte der Gedanke, einen anzuschaffen und zu suchen, immer mehr – nur viel kosten durfte er nicht – siehe oben. Fakt ist, ich ersteigerte einen über Ebay aus Herford.

Den Zuschlag hatte ich bei 1750,- Euro bekommen – ihr kennt ihn ja. 92000km gelaufen, Baujahr 1990, gebaut in Longbridge, England (daher kamen übrigens auch meine Alltagsautos – der grüne BMW Mini und auch – man staune – mein Honda Akkord davor, den vielleicht manche auch noch kennen). Also Auto ja, aber woher Geld nehmen, ohne mit der Frau das Kriegsbeil auszugraben? Jetzt wurden die alten traditionellen kaufmännischen Register der Vorfahren gezogen und gezockt: 750,- Euro brachte der Verkauf meiner alten Vespa ( die ich ohnehin nur für den Transport meiner damals noch kleinen Tochter zum Reiten auf die Koppeln benutzte), weitere 750,- Euro erzielte ich mit dem Verkauf eines alten Stoff -Teddybären, der – wie auch immer – von meiner Mutter über den Krieg gerettet wurde, scheinbar nutzlos jahrelang im Sessel saß und nach deren Tod in meinen Besitz überging. Lange Recherchen im Internet und endlich daraus entstandene gute Beziehungen vermittelten den Knaben schließlich nach London, wo er heute wahrscheinlich wieder im Sessel sitzt. Die fehlenden 250,- Euro holte ich mir dann von meinem Tennisclub, dem ich aus meinem Garten eine zu entsorgende Buchsbaumhecke verkaufte (hier wurde sie als Sichtschutz für einen Laubcontainer gebraucht).

So Frau, das Geld ist besorgt, das Familienkonto nicht belastet, nun kann`s losgehen. (die Diskussion über Folgekosten habe ich dann gnadenlos in Keime erstickt). Im März 2009 sind dann Klaus und ich nach Herford gefahren und haben uns das Auto angesehen. Na, ja – was will man für das Geld auch großartig erwarten – über das Dach war mal jemand rübergelaufen, also drei nicht zu übersehende Beulen waren vorhanden, ansonsten wenig Rost – äußerlich -, also Probefahrt. Klaus fuhr und hatte im Großen und Ganzen gar nicht viel zu meckern. Innen fehlte das Radio, der Himmel war eingerissen, dafür aber schönes Holz und bis auf den Fahrersitz eine Lederausstattung. (Handeln war nicht – siehe Ebay-Richtlinien). Also Auto gekauft und wieder Richtung Heimat. Beim ersten Tankstopp stellte ich dann zu meinem Entsetzen fest, dass kaum noch Öl im Motor war. Schnell also normales 20W50 eingefüllt (heute bekommt er nur noch das englische Spezialöl von Millers, welches eben für Motor und Getriebe gut ist, weil halt ein Umlauf) – zum Glück hat er diese Misere nie übelgenommen, also keinen Langzeitschaden davongetragen). Am nächsten Tag haben wir ihn dann in der Werkstatt auf die Bühne genommen und sind in Ohnmacht gefallen. Der gesamte Hilfsrahmen war so verrostet, dass hier der TÜV no gesagt hätte. Dazu kam, dass sich nach der Entfernung von einigem Gerümpel im Kofferraumblech fette Rostlöcher offenbarten, die wir bei oberflächlicher Betrachtung eben nicht gesehen hatten. Überhaupt, untenrum – Bodenblech – Stoßdämpferhalterungen, dann auch noch ein Wasserkühler mit gequetschten Rippen und vieles mehr. Aus war‘s mit der geplanten „ roaling restauration“, also fahren und nach und nach….., war nicht. Somit begann meine Lehrzeit – täglich von 10 bis 15 Uhr inclusive Hund Max war ich fortan in der Werkstatt. Obwohl ja reichlich Hebebühnen vorhanden waren, musste der Kleine halt auch manchmal runter, wenn dringende Kundentermine anstanden. Ansonsten er oben und ich unten, Max daneben auf einem Kissen.

Dank der Großzügigkeit von Klaus, nicht nur die Werkstatt und die Werkzeuge zur Verfügung stellend, sondern eben auch die jeweiligen Schrauber, vergingen die Monate bis zum August, ehe man von „fast fertig“ sprechen konnte.
Unter Anleitung der Spezis fing ich also an, Stück für Stück, die maroden Teile ab oder auszubauen. Schnell stellte ich fest, dass mir hier gewisse Grenzen gesetzt waren – erstens fehlende Kraft und dann auch das Wissen. Welches Teil kann ab und welches muss dran bleiben – also Endeffekt – zu 80% mussten die Jungs ran. Das hieß natürlich, dass der Einsatz auch nicht kostenfrei zu haben war – aber ich war ja froh, dass überhaupt was ging.

Dank der Beziehungen und Verbindungen zu den Lieferanten wurden fehlende Teile zügig herbeigeschafft und manches aus dem vorhandenen Ersatzteillager genommen. Die hauseigenen Spezies schraubten, schweißten, ersetzten, überprüften und tauschten aus. Max und ich meistens dabei, mehr oder weniger aktiv und somit unendlich viel lernend – Max weniger, der beschränkte sich auf die erfolgte Inanspruchnahme des gesamten Geländes, was der tägliche Postbote zu spüren bekam.

Als der hintere Hilfsrahmen ersetzt worden war, wurde der Kofferraum geschweißt, ebenso das gesamte hintere Abschlussblech, das Dach ausgebeult und gespachtelt. Die Zusatzaggregate des Motors gereinigt, lackiert, ein neuer Kühler eingebaut, das Thermostat erneuert, der normale Krümmer gegen einen Fächerkrümmer ersetzt, eine neue Edelstahlauspuffanlage, Spezialausdruck – glaube ich – NC 40 – Doppelrohr, seitlich montiert, die ehemaligen Minilite-Felgen von 4,5 auf 5,5 Revo getauscht und der Himmel erneuert.

Bei Rennsportleuten aus dem Rheinland, die ich in Oschersleben traf, wurde der fehlende Fahrersitz, passend zu dem übrigen Interieur, gekauft. Auch beim Minitreffen in Braunschweig (einmal im Jahr deutschlandweit) – 3 Tage mit Übernachtung im eigenen Zelt – erfuhr man viel unter Gleichgesinnten und ergänzte das eine oder andere fehlende Teil.

So entstand also nach und nach der jetzt bei den Veranstaltungen – bisher ohne Probleme – genutzte kleine grüne Engländer, den ihr alle kennt. Ich hoffe, dass er mich und meine Tochter noch lange so problemlos begleitet, wie bisher und ich noch recht lange in der Lage sein werde, ihm auch gerecht zu werden und Spaß zu haben.
Wolf

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